La Rustica Restaurant - Geschrichte
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„Bothes Weinstube"
In unserer so rekonstruktionsfreudig gewordenen Zeit und Stadt war die ehemalige „Bothes Weinstube", Unterengengasse 14, bis ins Gemark der völlig freigelegten Fachwerkkonstruktion zu sehen. Entsteht dieses Jahr nun dieses Haus wieder neu, so hebt die Liste aller aus Trümmern und Altersschwäche wieder erbauten Häuser mit dem einstigen Lebensmittelgeschäft Ernst Uehr ( Breitestraße 26) an, bereits 1946. Beide Häuser, in  der Unterengengasse und Breiten Straße, verbinden sich historisch engstens.
In der Büchtingenstraße 554, heute Unterengengasse 14, eröffnete Ernst Christian Uehr sein Material -und Kolonialwarengeschäft am 30. November 1869.Im Jahre 1888 zeigt er an, dass diesem Geschäft eine „Altdeutsche Weinstube" angeschlossen wurde. Neben dem Hauptgeschäft eröffnete Uehr eine Zweigstelle Breite Straße 5, im Jahr 1905. Dies alles, die beiden Geschäfte und Weinstube, übernahm Sohn Ernst Uehr am 21. November 1908. Seine erste Maßnahme war die Verlegung der Weinstube in das Haus Breite Straße 26. Dorthin zog er mit dem ganzen Geschäft noch im gleichen Jahr um. Seit 1896 hatte ein Cafe dort existiert. In die leer gewordenen Geschäftsräume Unterengengasse zog der Gastwirt Karl Boggel ein und richtete dort die „Bürgerschenke" ein. Nach dem 1. Weltkrieg kaufte Gastwirt Wilhelm Bothe, der zuvor Kastens Hotel besessen hatte, heute „Haus des Handwerks", das Haus von Uehr und eröffnete im Erdgeschoß die nach ihm benannte „Bothes Weinstube". 1932 starb Wilhelm Bothe, und seine Frau führte die Wein- und Bierstube bis über den 2. Weltkrieg hinaus weiter. Vom Bombenangriff am 22. Februar schwer getroffen, als Totalschaden eingestuft, repariert verblieb es daher in verkürzter Form. Dann dämmerte das Haus etwas abseits dahin.



 Sie befinden sich hier in einem sehr alten Lokal. Wann genau „Bothes Weinstube und Bräustübl“ erstmals Gäste empfing, lässt sich heute nicht mehr genau nachvollziehen. Bereits das Adressbuch von 1922 verzeichnet in der Unterengengasse 14 als Gastwirt Wilhelm Bothe. Zu Zeiten der DDR hieß das Lokal dann „Bothes Bier- und Weinstuben“. Doch die Einheimischen hatten eine andere Bezeichnung dafür: das „U-Boot“. In dem schummrigen, bis zur Decke hoch mit dunklem Holzpaneel verkleideten Gastraum fanden sich allabendlich die Stammgäste ein, darunter Ärzte, Rechtsanwälte und andere honorige Wernigeröder, die gern mal „abtauchten“. Es ging die Rede, dass die Wirtin, die damals schon recht betagt war, die Tür abschloss, wenn alle Stammgäste versammelt waren. Die erste Runde Bier schenkte sie noch aus, dann schlief sie hinter der Theke ein. Die Gäste bedienten sich nun selbst und führten eine Strichliste. Wenn es Zeit war zu gehen, wurde Frau Bothe geweckt, um abzukassieren und die Tür aufzuschließen. Diese Praxis könnte zu dem Namen „U-Boot“ geführt haben, noch näher liegt aber eine Kombination aus U wie Unterengengasse und Boot von Bothe
Das Keramikbild an der Außenwand schuf der Huy- Neinstedter Künstler Olaf Wegewitz im Zusammenhang mit der Neueröffnung des Restaurants als „Altstadtklause“ im Jahre 1987. Darin nahm er mit einem stilisierten U-Boot Bezug auf den volkstümlichen Namen, was jedoch umgehend den Unwillen der führenden Genossen erregte. Und so musste das Mosaik bis zu Ende der DDR hinter einem Sperrholzbrett verborgen bleiben. „Militaristische Darstellungen“ waren selbst in dieser Form nicht erlaubt.


Neue Wernigeröder Zeitung 22/05


Altstadtklause:


Auf der Baustelle zwischen „Rustica " und„Rustica " Gabriela Georgescu wagt Wiederbelebung

Es war das vierte Restaurant im versteckten Winkel in der Wernigeröder Steingrube. Nach dem bayrischen „Paulaner", dem derb-deutschen Kartoffelhaus und dem tschechischen „Spejbl" schien das italienischen „Rustica" endlich den Nerv vieler Wernigeröder getroffen zu haben. Mit ihrer schmackhaften Küche zog sich Gabriela Adriana Georgescu eine ganze Schar von zufriedenen Stammgästen heran, darunter auch etliche Wernigeröder Ärzte, Apotheker und viele Studenten. „Sogar Italiener waren hier und haben uns für das Essen gelobt", so die Chefin. Es gab Zeiten, da war in beiden Etagen des Lokals kein freier Platz mehr zu finden. Das passierte allerdings nur an Wochenenden, unter der Woche war das Geschäft eher flau, denn für Laufpublikum, noch dazu touristisches, war diese Adresse nicht die richtige. Wer verirrte sich schon dorthin! Und als im Juli dann noch die Straßenbauarbeiten in der Steingrube begannen, war das Schicksal von „Rustica" besiegelt. Das Ristorante musste schließen.
Florian Georgescu, selbständiger Servicemonteur und mithelfender Ehemann, wo immer es geht, hatte schon lange Ausschau nach einem anderen Lokal gehalten. Jetzt wurde die Sache akut und die Gelegenheit beim Schopf gepackt. Ein Auge hatte er auf die Altstadtklause und das Altstadthotel geworfen, die schon längere Zeit leer standen. Georgescu bewarb sich darum und konnte es mieten.
Georgescu: „Ich bin ja schon seit 25 Jahren in Wernigerode und kann mich noch gut erinnern, wie schön damals die neu eröffnete Altstadtklause war. Zu diesem Restaurant hatte ich immer eine besondere Beziehung." Was die beiden Rumänen jetzt dort antrafen, hatte allerdings nichts mehr mit dem einst so geschmackvoll eingerichteten Restaurant, dem ersten wirklich modernen damals in Wernigerode, zu tun. „Es war alles schrecklich bunt", beschreibt Gabriela Georgescu, und ihr Mann fügt hinzu: „Ich bin ja froh, dass wenigstens im hinteren Raum noch das Hirnholzparkett erhalten ist, das ist ja was ganz Besonderes!" Georgescu hat sich im wesentlichen die Umgestaltung und Renovierung auf seine eigenen Schultern geladen und will nun auch dieses noble Parkett ausbessern, abziehen und neu versiegeln.
Im hinteren Raum, der im Normalfall für den täglichen Gaststättenbetrieb geschlossen bleiben soll, hat er bereits die Decke zwischen den Balken mit Brettern verschalt und damit wieder in ihren alten Zustand gebracht. Es hat den Anschein, dass die neuen Betreiber der einstigen „Altstadtklause" gut tun.


Altere Leser wissen es natürlich noch die Altstadtklause hieß nicht immer so. „Bothes Weinstube und Bräustübl", später „Bothes Bier- und Weinstuben" waren die Bezeichnungen vorher. Bereits das Adressbuch von 1922 verzeichnet in der Unterengengasse 14 als Gastwirt Wilhelm Bothe. Vielleicht, weil hier auch honorige Wernigeröder gern mal abtauchten (wenn alle Stammgäste versammelt waren, wurde meist abgeschlossen), bestimmt aber weil Bothes die Betreiber waren, hieß das Lokal zu DDR-Zeiten nur „U-Boot". Darauf sollte das Bild aus Keramikfliesen an der Außenwand Bezug nehmen, es musste jedoch hinter einem Sperrholzbrett verborgen werden wegen militaristischer Darstellungen...


Altstadtklause der Name ist schön, doch Gabriela Georgescu hat sich dafür entschieden, den bewährten Namen „Rustica" aus der Steingrube in die Unterengengasse mitzunehmen, verbindet sich doch für viele Wernigeröder Bewährtes damit. Auch das Altstadthotel wird umbenannt, es wird zukünftig nur noch als Pension geführt und erhält ebenfalls den Restaurantnamen. Zwar stehen im Ober- und im Dachgeschoß zehn Zimmer zur Verfügung, nutzbar sind zur Zeit jedoch im Gegensatz zu vorher nur vier. In der Dachetage muss aus Sicherheitsgründen erst eine Holzdecke im Flur beseitigt werden, ehe hier wieder Gäste einziehen können.


Dass sie einmal in der Gastronomie landen würde, hätte sich Gabriela Georgescu noch vor wenigen Jahren nicht träumen lassen. Doch als die Diplomingenieurin für Umwelttechnik sich vor sechs Jahren nach Wernigerode verheiratete mit nur wenigen Bröckchen Deutsch aus dem spärlichen Schulunterricht, da war für sie an Arbeit nicht zu denken. Drei Jahre lang fand sie Freude daran, ihren kleinen Adrian zu betreuen, doch dann wurde es ihr zu Hause zu eng „Rustica" wurde geboren, zunächst als Idee, die am 15. November 2003 mit der Eröffnung Wirklichkeit wurde.


Eine Umwelttechnologin in der Küche? Das war kein großes Problem, hatte doch als Küchenchef ein italienischer Koch das Sagen, sie war nur „Zweite" und immer darauf bedacht, viel zu lernen. Später wurde dann als zweiter Koch ein Tscheche eingestellt, der auch wieder bei seinem italienischen Kollegen lernte. Nach seinem Ausscheiden teilten sich dann der tschechische und Gabriela Georgescu das Kochen. „Wir benutzten oft original italienische Kochbücher und kochten auch original, also nicht so auf den deutschen Geschmack abgewandelt", sagt die Chefin des Hauses, die seit sechs Jahren in Wernigerode lebt.
Im neuen „Rustica" wird die italienische Küche nicht mehr ganz so dominant sein, mit mediterraner Küche soll eine noch größere Vielfalt erreicht werden. „Gleichzeitig will ich meine Karte wesentlich kleiner machen, wir hatten bisher alles in allem 80 bis 100 Speisen im täglichen Angebot, das muss nicht sein", so Gabriela Georgescu. Dafür soll es dann häufig wechselnde vielfältige Tagesangebote geben. Sicher wird sie aber auf die Spezialitäten, die bisher bei den Gästen den meisten Anklang fanden, auch künftig nicht verzichten, also auf Carpaccio, Antipasti, Hühnchen in Balsamico und auch nicht auf die beliebte Pizza. „Und im übrigen kann der Gast sagen, wie er einer Speise möchte, und so wird sie dann gemacht!" ergänzt Ehemann Florian, der seiner Frau, wenn er es zeitlich einrichten kann, auch beim Servieren im Restaurant hilft.
Mama und Papa im Restaurant, und was wird mit dem mittlerweile fünfjährigen Adrian? „Wenn mein Mann ihn um halb fünf aus dem Kindergarten 'Villa Sonnenschein' holt, ist er bei uns im Restaurant. Er braucht nur was zum Bauen, dann ist er ganz zufrieden. Am Computer spielt er auch gern. Er ist so ein liebes Kerlchen", strahlt Gabriela Georgescu. Da bleibt also nur noch, kräftig die Daumen zu drücken, damit bis zum geplanten Eröffnungstermin, dem 2. Dezember, alle Arbeiten geschafft sind und „Rustica" in der Unterengengasse wirklich wieder „auf Empfang" steht.